Die Anfänge

Wie gesagt, die Idee, dass wir in einer Simulation leben könnten ist nicht ganz so neu. Schon 1641 thematisierte der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler Rene Descartes die Vorstellung, dass unsere Wahrnehmung in einem Labor ablaufen könnte. Das Werk Descartes hat die einflussreichsten Philosophen der Neuzeit, wie Pascal, Kant, Hegel, Nietzsche, Foucault und Wittgenstein beeinflusst und beschäftigt Mathematiker und Philosophen bis heute.

Descartes

Descartes hat sich über ein breites Spektrum von Fragen in den unterschiedlichsten Disziplinen geäußert. In den Bereichen der Erkenntnistheorie, der Physiologie, der Mathematik, der Physik und auch der Metaphysik hat er umfangreiche Arbeiten geliefert, die die Grundlage unserer heutigen Beschreibung der Welt darstellen. Schon um 1640 formulierte er etwa das Relativitätsprinzip, das Trägheitsprinzip und die unendliche Teilbarkeit von Materie. Im Unterschied zum Großteil der heutigen Wissenschaft ließ Descartes Gott in seinen Arbeiten immer wieder und konstant einfliessen. Was ihm zum Beispiel von seinem französischen Kollegen und Zeitgenossen Blaise Pascal die Kritik einbrachte, dass Descartes Gott als eine Art Lückenbüßer für die Verbindung zwischen dem Körperlichen und dem Gedanklichen verkommen lasse.

Moravec

Der Österreicher Hans Moravec, der schon in den 70er Jahren mit seinen Arbeiten in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz in Fachkreisen Aufsehen erregte, formulierte erstmals wieder offiziell die Theorie, dass wir in einer Simulation, in einer simulierten Realität leben könnten. Das wirkt erstaunlich, denn wir reden hier über eine Zeit, wo Computer ausschließlich etwas für eingefleischte Technik Freaks aus akademischen Kreisen oder mit Zugang zu militärischen Versuchslaboren waren. Die technologische Entwicklung im IT Sektor war zu dieser Zeit eigentlich nicht abzusehen. Am Großteil der Menschheit gingen die damaligen Entwicklungen vollkommen vorbei. In der öffentlichen Wahrnehmung waren Computer gleichgesetzt mit Science Fiction. Umso erstaunlicher sind die Vorhersagen und Ideen die Moravec schon damals entwickelte. In seinem 1988 erschienenen Buch Mind Children: The Future of Robot and Human Intelligencegibt er ziemlich konkrete Vorhersagen zur Entwicklung von Robotern und Künstlicher Intelligenz. Er rechnet damit, dass sich Roboter zwischen 2030 – 2040 in eine neue, und bisher noch nicht dagewesene, künstlichen Spezies entwickeln werden. Was damals noch mehr als futuristisch geklungen hat, wird aus heutiger Sicht immer wahrscheinlicher. Zwischen 2014 und 2017 sollen laut Prognosen von roboterwelt.de, die auf den Verkaufszahlen von 2014 und 2015 beruhen, weltweit um die 30 Milliarden Serviceroboter für den privaten Anwendungsbereich verkauft sein.Wir sprechen hier über 30 Milliarden Einheiten von Haushalts-, Unterhaltungs- und Freizeit-Robotern im alltäglichen Einsatz im privaten Umfeld. Im Jahr 2015 wurden ebenfalls über 250.000 neue Industrieroboter ausgeliefert. Wenn man die Philosophie und die Voraussagen der Transhumanisten kennt, stellt sich ein beklemmendes Gefühl ein, dass man den Wahrheitsgehalt der Aussagen grundlegend und fatal unterschätzt haben könnte. Mehr darüber in meiner Beitragsserie Transhumanismus – die unsichtbare Macht. Moravec gilt, neben Raymond Kurzweil, ebenfalls als einer der einflussreichsten Vordenker aus dem Lager der Transhumanisten.  

Bostrom

Nick Bostrom wurde 1973 in Schweden geboren und arbeitet als Professor an der Universität in Oxford. Der schwedische Philosoph ist Direktor des Future of Humanity Institute und des Strategic Artificial Intelligence Research Center und kommt unter anderem ebenfalls zu dem Schluss, dass wir in einer Simulation leben. Bostrom forscht und entwickelt an besagtem Strategic Artificial Intelligence Research Center an der Universität in Oxford, an Richtlinien, die von Regierungen, Industrie und anderen eingehalten werden sollen, um die Risiken im Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu minimieren und die Benefits zu maximieren. Das Zentrum möchte nach eigenen Angaben, die konstruktive und inklusive, globale Konversation in Sachen Richtlinien und Verordnungen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz anstoßen und sein breites Spektrum an Wissen und seine Expertise einbringen um im Vorfeld auf potentielle Regulierungen einzuwirken. Man will sich, mit eigenen Worten, ausschließlich auf den langfristigen Einfluss von Künstlicher Intelligenz und die strategischen Implikationen kümmern, wenn es in absehbarer Zeit dazu kommen wird, dass die menschlichen Fähigkeiten in den meisten Bereichen unseres Alltags von seiten der Künstlichen Intelligenz übertroffen werden. In der unregulierten Entwicklung sieht das Zentrum die größte Gefahr. Unregulierte Entwicklungen können zu gefährlichen Katastrophenszenarien führen, ausgelöst entweder von unverantwortlichen Regierungen oder durch die immanenten Risiken der Technologie selbst. Um die Fehler, die im Umgang mit vergleichbar gefährlichen Entwicklungen, wie zum Beispiel nuklearer Technologie gemacht wurden zu vermeiden, wird es Jahrzehnte der Entwicklung im Voraus benötigen, wenn man an einen ernsthaften Umgang mit künstlicher Super-Intelligenz denken will.   

In der Publikation aus dem Jahre 2003 mit dem Titel Are you living in a computer simulation? geht Bostrom davon aus, dass zumindest eine der folgenden Propositionen wahr ist:

  1. Die menschliche Rasse wird sehr wahrscheinlich aussterben, bevor sie ein posthumane Entwicklungsstufe erreicht
  2. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es keine einzige posthumane Zivilisation geben wird, die eine signifikante Anzahl an Simulationen über ihre eigene Entwicklungsgeschichte, oder Varianten davon, laufen lassen würde
  3. Wir leben mit großer Wahrscheinlichkeit in einer Computer Simulation

Bostrom beschreibt die grundlegende Idee hinter seiner Arbeit mit der Frage: Wenn auch nur die grundsätzliche Möglichkeit einer Chance besteht, dass unsere Zivilisation jemals in eine posthumane Entwicklungsstufe kommt, wie sollte es dann möglich sein, dass wir nicht in dieser Simulation leben?  Er führt in weiterer Folge logisch, mathematisch und pragmatisch seine Argumente an und kommt zu folgendem Schluss:

Eine technologisch hochentwickelte posthumane Zivilisation, würde über enorme Rechenleistung verfügen. Basierend auf diesem empirischen Fakt, ist mindestens eine der folgenden Aussagen wahr:

  1. Die Wahrscheinlichkeit, dass humane Zivilisationen eine posthumane Entwicklung erreichen können geht gegen NULL
  2. Die Anzahl an posthumanen Zivilisationen, die Interesse an einer Simulation über die Entwicklung ihrer Vorfahren hat, geht ebenfalls gegen NULL
  3. Die Anzahl der Menschen mit dem Eindruck, dass sie in einer Simulation leben, liegt sehr nahe an EINS

Bostrom kommt dann zu der Erkenntnis: wenn Aussage 1 wahr ist, dann werden wir beinahe sicher aussterben, bevor wir eine posthumane Entwicklungsstufe erreicht haben. Wenn Aussage 2 wahr ist, muss es einen hohen Grad an Gleichheit und Übereinstimmung zwischen den Individuen in höher entwickelten Zivilisationen geben, sodass die extrem hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es annähernd niemanden geben wird der entweder Interesse an einer Simulation über die Entwicklungsgeschichte seiner Vorfahren hat, oder die notwendigen Mittel aufbringen könnte. Sollte Aussage 3 wahr sein, dann ist es beinahe sicher, dass wir in einer Simulation leben. Er schließt seine Arbeit mit den Worten: Wenn wir nicht schon jetzt in einer Simulation leben, dann werden unsere Nachfahren mit größter Wahrscheinlichkeit niemals so eine Simulation starten.

Milliardäre wollen den Beweis erbringen

Diese Arbeiten und die vermeintlich logische Ausarbeitung der Wahrscheinlichkeiten hat zumindest einige sehr reiche Individuen dazu bewegt, sich des Problems anzunehmen und den notwendigen Beweis zu erbringen. Laut einem Artikel von Tad Friend, einem Kolumnist der Zeitschrift The New Yorker, soll Sam Altman, der aufgehende Stern am Himmel in Silicon Valley und ebenfalls Transhumanist, ihm verraten haben, dass es zwei Milliardäre aus seinem Umfeld gäbe, die in einem geheimen Projekt eine Gruppe von Wissenschaftlern eingestellt haben, die uns aus der Simulation befreien sollen. Laut Altman sollen viele Leute aus Silicon Valley von der Simulationstheorie regelrecht besessen sein und dementsprechende Mittel aufbringen, diese Theorie zu beweisen.

Elon Musk, der Gründer von Tesla Motors und SpaceX, einem privaten Weltraumunternehmen, sagt:

“Vor 40 Jahren hatten wir Pong – zwei Rechtecke und einen Punkt. […] Nun, 40 Jahre später, habe wir fotorealistische 3D Simulationen in denen Millionen Leute gleichzeitig miteinander spielen, und es wird jedes Jahr noch besser. Sobald wir virtuelle Realität haben werden, werden wir auch Augmented Reality haben.”

Der  amerikanische Astronom Richard John Terrile, der im Jet Propulsion Laboratory der NASA arbeitet, ist derselben Meinung. Wenn man die derzeitige Entwicklungsrate der Technologie ansieht und ein paar Jahrzehnte in die Zukunft projiziert, dann kann man sehen, dass wir sehr bald eine Gesellschaft werden, die mit künstlichen Lebensformen leben und umgehen lernen wird müssen.

Fazit:

Vor Jahren kam die Frage auf, ob wir in der Matrix leben. Wenn wir die Definition von Matrix in etwa so auslegen, dass wir statt in einer virtuellen, in einer künstlichen Realität leben, dann ist die Antwort auf die Frage, ob wir in einer Matrix leben, mit einem klaren Ja zu beantworten. Künstliche gestaltete Lebenswelten könnte als logische Vorstufe der Entwicklung in Richtung einer virtuellen Realität gesehen werden. Unsere heutige Lebenswelt ist, nicht nur in den Städten, vollkommen künstlich aufgebaut. Das reicht vom grundlegenden Aufbau unseres unmittelbaren Lebensraums aus Kunststoffen, Stahl, Beton, Glas und anderen Bau- und Werkstoffen, über unsere Gesellschaftsstrukturen, unsere Kommunikationsmittel und unsere Wahrnehmung der Realität, beeinflusst durch komplex aufgebaute und wohl durchdachte Kampagnen in den unterschiedlichsten, und ebenfalls künstlich geschaffenen Medien.

Wenn wir darüber sprechen wollen, ob wir tatsächlich innerhalb einer Computersimulation ablaufen, werden wir uns mit Beweisen auf unsere Transhumanisten Freunde aus Silicon Valley verlassen müssen. Das Interesse innerhalb der Community ist offenbar groß und die einflussreichen amerikanischen Transhumanisten nehmen neben der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und Quantencomputern, nun auch großes Geld für die Simulationstheorie in die Hand. Bedenklich, dass es kaum Opposition zu der Gedankenwelt dieser Leute gibt. Hauptsächlich Kapital ist dafür verantwortlich, dass diese Jungs ungebremst und jenseits jeder ethischen Bedenken an all diesen Projekten arbeiten können. Weder in der Medienlandschaft noch in der Politik gibt es einen Aufschrei. Im Gegenteil: diese Leute, die mit ihrer Forschung nach eigenen Angaben die Menschheit in ihr Ende führen werden, um das posthumane Zeitalter einzuläuten, werden uns als Rollenmodelle für erfolgreiche Menschen präsentiert.

Was jedoch die Simulationstheorie angeht: Mein persönliches Erleben geht jedenfalls ebenfalls in diese Richtung. Wenn man sich den angeblichen Aufbau des Universums. der DNA, der physikalischen Gesetze, etc. genauer ansieht, dann riecht es tatsächlich stark nach intelligentem Design. Wenn man die Realität von Quantencomputern, die parallel eine unfassbar hohe Anzahl von Variablen, in extrem komplexen Gleichungen abarbeiten sollen in Betracht zieht, rückt die Machbarkeit solch einer Simulation in vorstellbare, wenn nicht sogar greifbare Nähe. Ob man aus dem Umstand ableiten kann, dass wir uns, weil es machbar ist, zwangsläufig in einer Simulation befinden müssen, bleibt wieder unserem eigenen Urteil überlassen. Wenn ich mein persönliches Leben betrachte, habe ich mich schon oft dabei ertappt, dass ich mir gedacht habe, dass ich mir das alles nur einbilde, und dass irgendwo da draußen oder hinter dem Ganzen, einer steckt, der sich mein Leben ausgedacht hat.

Am Ende möchte ich noch etwas zur Sprache bringen, was ich eigentlich als Standard unter jedem Thema einfügen müsste, über das ich schreibe: Es verwundert mich immer wieder, dass in den etablierten Mainstream Medien zwar hie und da ein Bericht zu einem Teilbereich aus dem Transhumanismus auftaucht. Der notwendige Link, der den Fakten entsprechende Zusammenhang und die Verbindungen zum Transhumanismus selbst, oder die Akteure vollkommen ausgeklammert bleibt. Mir fallen dazu zwei Möglichkeiten ein: entweder sind die Journalisten, die diese Beiträge recherchieren und erarbeiten an eine Agenda gebunden, die das unter Androhung persönlicher Konsequenzen für den Schreiber verhindert, oder die Journalisten betreiben so eine Art Selbstzensur, weil es kaum grundlegendes Material zum Thema Transhumanismus, zentral verfügbar gibt, auf dass sie sich berufen könnten um ihre eigene Reputation nicht aufs Spiel zu setzen. Falls Sie mehr zum Thema erfahren wollen, folgen Sie meiner Serie Transhumanismus – die unsichtbare Macht.

Bleiben Sie glücklich und wachsam, und nehmen Sie sich und Ihre Welt nicht allzu ernst: im schlimmsten Fall sind Sie einfach nur Teil einer Simulation…

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Beitragsbild: ▓▒░ TORLEY ░▒▓/flickr (CC BY-SA 2.0)

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