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Auswirkungen

Die (zumindest theoretische) enorme Überlegenheit des Quantencomputers bei der Berechnung komplexer Formeln mit enormer Anzahl von Variablen machen ihn natürlich von höchster Bedeutung in den Bereichen Sicherheit und Kryptographie. So schreibt der Journalist Christian J. Meier im Vorwort seines Buches Eine kurze Geschichte des Quantencomputers (TELEPOLIS)klar:

„Noch streiten Forscher darüber, welche hochkomplexen Rechenaufgaben ein Quantencomputer überhaupt knacken wird. Nur eines ist sicher: dass Quantencomputer die heute gängigen Verschlüsselungsverfahren aushebeln werden. Sie sind so etwas wie die Atombomben der Informationsgesellschaft.“

Doch nicht nur in diesen Bereichen wird die Entwicklung des Quantencomputers tiefgehende Auswirkungen haben. Die Unternehmen, die diese Entwicklung mit Mitteln, Ressourcen und Know How vorantreiben sind namhaft.

Diese Unternehmen zeigen Interesse

Die NSA

Die NSA jedenfalls bringt großes Interesse auf, und investiert 80 Millionen Dollar in ein Projekt, das die Verschlüsselungstechnik RSA knacken soll. Damit sollen die verschlüsselten Bankkonten, Transaktionslisten, digitale Signaturen und sonstige Verschlüsselungen unserer Kommunikation, wie E-Mail, Messengerdienste, etc… geknackt werden und alle Verschlüsselungen umgangen werden. Selbstverständlich ausschließlich zu unser aller Sicherheit und um die Bösewichte zur Strecke zu bringen. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Google

Google wiederum setzt auf den Quantencomputer, weil das Unternehmen die sagenhaft unermesslichen Datenmengen die es seit Jahren sammelt, auswertbar und damit verwertbar machen will. Im Hinblick darauf, dass die Datenmengen in den kommenden Jahren mit höchster Wahrscheinlichkeit weiterhin exponentiell ansteigen werden ist diese Entscheidung aus unternehmensstrategischer Sicht klug.

Dass Quantencomputer im Falle Googles ausschließlich die Suchfunktionen für die User verbessern sollen ist eher unwahrscheinlich. Auch von offizieller Seite geht es um eine verbesserte Spracherkennung und um eine verbesserte und vor allem differenziertere Auswertung von Bildern. Vor allem soll der Quantencomputer selbstständig lernen. Kennt man die Geschichte von Google, die vielleicht nicht so bekannten Projekte von Google und die nachgewiesene Beziehung zur NSA sollte man spätestens jetzt hellhörig werden. Ich empfehle Dir das Buch Google Inside: Wie Google denkt, arbeitet und unser Leben verändert.

Wenn man sich andere zukunftsweisende Projekte von Google, wie den Google Assistant oder Google Home ansieht, darf man gespannt sein, welche Entwicklungen wir, in Verbindung mit Quantencomputern, hier noch am eigenen Leib erfahren dürfen. Ich bin in dem Artikel “Google Assistant soll Apple´s Siri den Garaus machen – oder soll er noch mehr?” näher darauf eingegangen.

Die NASA

Die NASA hat, zumindest offiziell, vermeintlich harmlos anmutende Interessen. Man will die Datenmenge des Keppler Teleskops besser und tiefergehender auswerten, um neue Welten zu finden. Und das Unternehmen will die komplexe Planung künftiger Missionen verkürzen.

Die Entdeckung von mehr als 1200 Exoplaneten bei diversen Sternen mit Hilfe des Kepler Weltraumteleskops, könnte auf eine verbesserte Auswertung der Bilddaten durch den Einsatz von Quantencomputern hinweisen.

Woran die NASA im Hintergrund arbeitet und welche Ziele damit verfolgt werden, wird sich in Zukunft noch zeigen.

Lockheed Martin

Der Rüstungskonzern Lockheed Martin war unter den ersten Investoren und der erste Kunde von D-Wave Systems. Wenn nun auch noch ein Rüstungskonzern involviert ist, sollte man sich diesen etwas genauer ansehen. Der Konzern will, laut eigenen Angaben, die Vorteile von Quantencomputern einsetzen, um neue Radarsysteme zu entwickeln und Satelliten Software zu testen. Lockheed Martin hat mit der University of Southern California, das USC-Lockheed Martin Quantum Computation Center (QCC) gegründet, die Heimat des D-Wave One. Die Konzerne sind demnach eng verwoben.

Der Firmensitz von Lockheed Martin befindet sich in Bethesda, Maryland in den USA. Die Firma hat 98.000 Angestellte weltweit und engagiert sich, nach eigenen Angaben, in Forschung, Design, Entwicklung, Manufaktur, Integration und Erhaltung von fortschrittlichen, technologischen Systemen, Produkten und Dienstleistungen. Das Unternehmen betreibt mehr als 590 Standorte in beinahe allen Staaten der USA und weitere in ca. 70 Nationen außerhalb der Vereinigten Staaten.

Lockheed Martin arbeitet eng mit dem U.S. Verteidigungsministerium und diversen U.S. Federal Government Agencies zusammen.

Die Tochterfirma Sikorsky produziert, unter anderem, die Helikopter für das U.S. Militär. Die bekanntesten Modelle sind der BlackHawk und der SeaHawk. Neben der Produktion von Hubschraubern engagiert sich die Mutterfirma aber auch in den Bereichen Energie, Raumfahrt und in aufstrebende Technologien.

Wenn man das Portfolio von Lockheed Martin in Verbindung mit dem regen Interesse an Quantencomputern setzt, dann stechen einem folgende Bereiche ins Auge, die, in Kombination, durchaus Bedenkliches hervorbringen könnten.

Ich kann an dieser Stelle nicht auf alle Bereiche eingehen, aber erwähnenswert sind folgende Abschnitte:

  • Cyber Solutions, wo unter anderem KI Systeme zur Computer Netzwerk Verteidigung eingesetzt werden.
  • Directed Energy, wo wir es mit einem Hochleistungs-Laser zu tun haben, der Flugkörper abschießt.
  • Electronic Warfare, wo ein System aus elekronischen Attacken, wie Signal Unterbrechnungen, elektronischer Schutz, vor eben diesen Attacken, und elektronisch gesteuerte Zielvorrichtungs- und Naviagationssysteme.
  • Unmanned Systems, wo Flugzeuge, Drohnen, Helikopter, Fahrzeuge und Unterseeboote unbemannt, teils ferngesteurt, teils selbststeuernd unterwegs sind. Diese Systeme und die Hardware kommt mittlerweile neben den militärischen, auch in  zivilen und kommerziellen Bereichen zum Einsatz.
  • Robotics, wo Mensch und Maschine als Team, in so genannten Human Augmentation Systemen zum Einsatz kommen.
  • Nanotechnology, wo an multi-funktionalen Materialeien geforscht wird, die extrem belastungsfähig werden sollen.

Interessante Kombinationsmöglichkeiten aus dem Portfolio von Lockheed Martin ergeben sich, wenn man z.B. die Rechenleistung von Quantencomputern für eine selbstlernende KI bereitstellt, die ein netzwerk-gestütztes Verteidigungssystem aufbaut, wartet und selbstständig verbessert. Wenn dieses Verteidigungssystem auf all die angebotenen Bereiche wie Energie Waffen, Laserabwehrsysteme, Drohnensysteme und herkömmliche Raketenabwehrsysteme zugreifen könnte, und, basierend auf den Ergebnissen der Radar- und Sensortechnologien, und den Daten aus der Erdobservation, auch noch Entscheidungen treffen könnte, dann sehen wir in eine gefährliche Zukunft. Der Film War Games [Blu-ray] lässt grüßen.

Und zu guter Letzt, arbeitet Lockheed Martin auch noch fieberhaft an der Weiterentwicklung der Nanotechnologie und der Robotic. Ich denke, wir haben alle die bedenklichen Szenarien, die sich aus dieser Kombination ergeben können, schon in Science Fiction Blockbustern gesehen. Spontan fällt mir hier der Film I,Robot [Blu-ray] mit Will Smith ein. Wer sich tiefer mit den Visionen und Grübeleien über die Auswirkung der Entwicklung von künstlicher Intelligenz auseinandersetzen möchte, dem sei hier der russisch-amerikanische Biochemiker und Science Fiction Autor Isaac Asimov ans Herz gelegt. Schon 1942 postulierte Asimov, in einer seiner Geschichten, die “Drei Gesetze der Robotik”, die auch in dem Film “I-Robot” einen zentralen Teil der Handlung einnahmen:

  1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
  2. Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
  3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

Fazit:

Man kann nur hoffen, dass die Forscher und Entwickler bei Lockheed Martin und ähnlichen Organisationen, Asimov gelesen haben oder zumindest I,Robot [Blu-ray] gesehen haben, und dies auch beherzigen. Denn in Verbindung mit der Rechenleistung von Quantencomputern und einer künstlichen Intelligenz, die selbstlernend ist, sind alle oben beschriebenen Systeme im Falle eines Zugriffs der KI, mehr als gefährlich.

Zu guter Letzt sollte man noch wissen, dass Lockheed Martin, unter dem Label “Lockheed Martin Energy” auch die Hardware und Software der Kontrollsysteme von Nuklear-Energie Programmen, wie Atomkraftwerken, entwirft. Und das beinahe für alle Atomkraftwerke der U.S. Regierung oder von privaten Betreibern.

Im folgenden Beitrag der Serie werden wir einen Blick auf die Geldgeber hinter den Unternehmen werfen.

Bleibt wachsam und angstfrei…

Die ganze Serie „Quantencomputer – die Welt ist nicht mehr wie sie einmal war…“:

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5 – Teil 6 – Teil 7


Quellen:

Bücher

Bücher, die als Quelle oder zur Inspiration gedient haben:


Beitragsbild: Alex Sukontsev/flickr (CC BY-SA 2.0)

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