Was versteht man unter dem Mandela Effekt?

Der Mandela Effekt ist offiziell als Gedächtnisstörung eingeordnet. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels führte der Eintrag in Wikipedia direkt zu dem Eintrag über Konfabulation. In der Psychopathologie sind mit dem Begriff der Konfabulation objektiv falsche Aussagen oder Erzählungen, die in unterschiedlichsten Formen auftreten können, gemeint. Allerdings ist eine Eigenschaft der Konfabulation das Auftreten immer wieder neuer “falscher” Erinnerungen, wenn man das selbe Ereignis mehrmals abfrägt. Und das kollektive Auftreten der vermeintlich falschen Aussagen wie beim Mandela Effekt wird auch nicht erwähnt. Aus meiner Sicht scheidet damit eine Einordnung unter den Begriff Fabulation schon hiermit aus.

Ein Massenphänomen

Menschen, die den Mandela Effekt erfahren haben (darunter auch ich selbst) haben lediglich eine alternative Erinnerung zu Ereignissen, deren Inhalt sich jedoch bei mehrmaligen Abfragen keineswegs ändert, sondern gleich bleibt. Am bemerkenswertesten ist bei näherer Untersuchung, dass sich der Effekt nicht auf ein Individuum, auf einen Menschen beschränkt, sondern von Tausenden oder gar Millionen wahrgenommen wird. Genaue Zahlen lassen sich nicht verifizieren, da der Effekt in der breiten Masse keine Öffentlichkeit gefunden hat. Bei persönlichen Befragungen meines direkten Umfeldes, bin ich aber auf einen sehr hohen Prozentsatz an kollektiven Fehlerinnerungen gestoßen. Das hat mich natürlich nachdenklich gestimmt.

Mein persönlicher Mandela Effekt

Die gefühlte “Stärke der Erinnerung”, der fühlbare Druck der (vermeintlich) falschen Erinnerung ist mehr als befremdlich. Ich selbst stolperte über den Effekt als ich zufällig beim Einkauf in meinem Supermarkt, auf ein Regal voller Kelloggs Fruit Loops Packungen stieß, die offensichtlich re-designed wurden. Ich konnte mich sehr gut an das frühere Design der Verpackung erinnern. In meiner Erinnerung war eindeutig “Fruit Loops” gespeichert, wobei ich mir bei den beiden o´s in dem Wort “Loops” nicht so sicher war, ob die in früheren Jahren nicht nur in reinem Schriftzug auf der Packung zu sehen waren. Auf den heutigen Packungen sind jedenfalls die Fotografien von realen Loops anstatt der o´s zu sehen. Und das nicht nur in dem Wort “Loops”, was ja durchaus Sinn machen würde. Nein, das Wort “Fruit” – F-R-U-I-T –  wurde durch “Froot” – F-R-O-O-T – ersetzt, und die beiden o´s bestanden ebenfalls aus zwei realen Loops. Klingt holprig und sieht für mich nicht richtig aus, ist einfach nicht stimmig.
Do you have a Froot Loops deficiency?

Froot Loops?

Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, worauf ich da gestoßen war, denn vorerst dachte ich einfach nur an ein mehr oder weniger geglücktes Re-Design der Marke. Als ich aber einige Zeit darauf in einem Youtube Video über den Mandela Effekt, auf das ich zufällig gestoßen war, die Aussage hörte, dass die Marke niemals anders ausgesehen haben soll, wurde mir mulmig. Und als ich dann in mehreren Suchmaschinen recherchierte, wurde mir übel. Das Gefühl, dass es mir den Magen aushebt, ähnlich wie bei der Fahrt in einer Hochschaubahn, kam schubweise und in immer kürzeren Abständen. Denn je länger ich nach Beweisen für die Änderung der Marke suchte, desto klarer wurde, dass es anscheinend niemals eine Wortmarke “Fruit Loops”, wie in meiner Erinnerung, gegeben hatte…

Dieses eindringliche und emotional geladene Erlebnis war der Start für meine Recherche zum Mandela Effekt, die, wenn ich ehrlich sein soll, wenig tragfähiges zutage bringen konnte, aber um so mehr Fragen aufgeworfen hat.

Geschichte des Effekts

Der Mandela Effekt trägt seinen mehr oder weniger irreführenden Namen angeblich, weil bei der Bekanntmachung des Todes von Nelson Mandela im Jahre 2013, eine sehr große Anzahl von Menschen der Meinung waren, sich an den Tod Nelson Mandelas im Gefängnis von Südafrika zu erinnern. Dementsprechend groß war die Verwunderung über den “neuerlichen” Todesfall und im Internet startete (angeblich) eine große Diskussion in unterschiedlichsten Foren und Netzwerken. Beweise dazu konnte ich nicht wirklich finden. Die Websiten die sich dem Effekt widmen, propagieren Unterschiedliches.

Anzuführen wären hier:

http://mandelaeffect.com/

https://www.reddit.com/r/mandelaeffect

http://www.debunkingmandelaeffects.com/

Recherche

Ich konnte bei meinen Recherchen nicht herausfinden, wann dieser Effekt definitiv das erste Mal aufgetreten sein soll. Auch konnte ich nicht verifizieren, wo der irreführende Name für den Effekt ursprünglich her stammt. Ich hatte Gerüchte aus einem Youtube Video gehört, dass der Name angeblich von einer Forschergruppe geprägt wurde, die den Effekt untersucht haben soll. Beweise dazu konnte ich keine finden.

Auf der Website http://mandelaeffect.com/ findet sich jedenfalls eine Entsehungshistorie: Die Website wurde von Fiona Broome, laut Copyright Info, 2010 ins Leben gerufen und bezeichnet sich selbst als die originale Mandela Effekt Website. Fiona selbst weist in der About Sektion darauf hin, dass sie eine der beiden Personen ist, die den Begriff “Mandela Effekt” im Green Room der dragoncon.org Website geprägt haben.

Auf der Website findet man eine anschauliche Sammlung von Effekten, die in Kategorien geordnet und auch mit Volltextsuche ausgestattet ist. Es werden dort auch mögliche Erklärungen und diverse Theorien gesammelt und veröffentlicht.

Die Probleme mit dem Effekt

Das häufigste Problem besteht darin, jemanden, der den Effekt selbst (noch) nicht erfahren hat, überzeugend von dem Effekt zu berichten. Wenn ich mit Menschen spreche, die “Fruit Loops” niemals anders in ihrer Erinnerung haben als in der derzeitigen Form “Froot Loops”, dann ist es verständlich, dass man mir mein mangelhaftes Erinnerungsvermögen vorhalten wird. Speziell, weil alle Indizien und Beweise darauf hinweisen und eindeutig untermauern, dass es niemals eine Wortmarke “Fruit Loops” gegeben hat. Punkt. Ich würde genauso argumentieren. Und das ist auch logisch richtig.

Weitere Probleme bestehen einerseits darin, dass sehr viele Menschen ebendiese, eindeutig “falsche” Erinnerung haben und andererseits, dass es eine wachsende Anzahl von unterschiedlichsten Erinnerungen an (hauptsächlich) populäre, öffentlich zugängliche Dinge wie Personen, Todestage, Schreibweisen, Marken, Bildern, Zitaten, etc… gibt.

Ebenfalls problematisch ist, dass selbst Menschen, die den Mandela Effekt erfahren haben, nicht unbedingt die selben Erinnerungen über alle aufgetretenen Phänomene haben müssen. In meinem Fall kann ich mich an diverse Dinge wie z.B. die Fruit Loops Wortmarke, das alternative Ende des Songs “We are the champions” von Queen und den Filmtitel “Interview with A Vampire” erinnern. Nelson Mandelas Tod in den 80ern ist mir persönlich aber entgangen.

Diverse Theorien für das Auftreten des Effektes

Das unwahrscheinlich Bizarre und Unerklärliche, das dem Mandela Effekt anhaftet, ist naturgemäß ein fruchtbarer Nährboden für diverse Spekulationen über die Gründe und die Auslöser des Effektes. Ich werde hier nur auf einige, mir persönlich als relevant erscheinende Theorien kurz eingehen um in meinem Fazit meine eigene Theorie aufzustellen.

Psychologische Effekte

Fehlinformationseffekt

In der Psychologie gibt es diverse Effekte, die größtenteils gut beschrieben sind und sicherlich in Frage kommen könnten, wenn man eine plausible Erklärung des Mandela Effektes sucht. Unser Gedächtnis funktioniert nicht wie ein Speichermodul in einem herkömmlichen Computer und die Erinnerungen sind erwiesenermaßen alles andere als eindeutig. Das hängt zum Teil mit der Plastizität des Gehirns zusammen. Vereinfacht dargestellt, stellen wir im Grunde netzwerkartig aufgebaute Assoziationsketten auf, die sich mit der Zeit, wenn Teile davon selten in Gebrauch sind, einfach auflösen oder auch schon mal mit einer anderen, ähnlichen Erfahrung, im Nachhinein “überschrieben” werden. In der Sozialpsychologie spricht man deshalb vom Fehlinformationseffekt. Dass es sich dabei schlussendlich auch nur um eine Theorie und einen Erklärungsversuch für das Auftreten von falschen Erinnerungen handelt, sollte auf jeden Fall im Hinterkopf behalten werden 🙂

Kontrollüberzeugung

Ebenfalls eine Rolle bei der kollektiven Falscherinnerung könnte die Kontrollüberzeugung spielen. Dieser Begriff stammt aus der Psychologie und bezieht sich auf das Ausmaß, mit dem jemand glaubt, dass das Auftreten eines Ereignisses abhängig vom eigenen Verhalten ist. Im Grunde geht es um die Einschätzung, ob die Kontrolle von diversen Situationen innerhalb oder ausserhalb der Person liegt. Die grundsätzliche Überzeugung eines Menschen, ob er ein Ereignis (positiv oder negativ) als Konsequenz des eigenen Verhaltens wahrnimmt, oder ob die Konsequenzen unabhängig von seinem Verhalten erlebt werden, wirkt sich neben seiner prinzipiellen Einschätzung der Lage, auch auf seine Erinnerungen, auf seine Art sich zu erinnern, aus.

Es könnte also durchaus sein, dass die Möglichkeit einer kollektiven Erinnerung und die damit verbundene Aufwertung durch die exklusive Zugehörigkeit, durch das Gefühl des auserwählt seins, durch die Annahme, dass wir in der Hand unsichtbarer Mächte sind, durchaus zur Verfälschung der individuellen Erinnerungen, in Bestrebung der Angleichung mit der kollektiven Gruppen Erinnerung, führt.

Parallel Universen

Die Idee, dass es viele Multiversen geben könnte ist schon ziemlich alt und erfährt in der Physik, speziell in der Quantenmechanik eine Renaissance. Gemeint ist damit die Aufteilung der unendlichen Gesamtheit in mögliche, physikalische Systeme. In der heutigen Physik der Quantenmechanik gilt die Viele-Welten-Interpretation als eine Antwort auf das Problem, der Schrödingergleichung möglichst uneingeschränkt Gültigkeit zukommen zu lassen. Ich werde hier nicht auf die Schrödingergleichung eingehen.

Um die Notwendigkeit einer Theorie wie der oben beschriebenen heraus zu streichen möchte ich aber auf das Ergebnis, oder die Ergebnisse des Doppelspaltexperiments eingehen. Die Interessierten finden auf Youtube eine anschauliche Erklärung zum Experiment 01 Das Reich der Quanten und Elementarteilchen

Das Doppelspalt-Experiment kommt nämlich zu diametral auseinander laufenden Ergebnissen, die in dieser Form in der herkömmlichen Physik nicht auftreten dürften. Um sich die differierenden Ergebnisse zu erklären, hat man die Idee der parallelen Universen und der Superposition von Teilchen ersonnen. Mit Superposition sind mehrere mögliche Zustände eines Teilchens gemeint. Beim Doppelspalt-Experiment ist der Welle-Teilchen Dualismus zu beobachten, der sich übrigens nicht nur mit Elektronen nachweisen lässt sondern auch mit Atomen und Molekülen durchgeführt werden kann.

Die Theorie zur Erklärung der beobachteten Effekte, wird jedenfalls auch in Fachkreisen kritisch betrachtet und die Argumente der Kritiker sind sehr schlüssig.

Was trotz allem bleibt ist die Wahrscheinlichkeit von parallelen Universen, die im Fahrwasser der Anwendbarkeit der Quantenmechanik, im Steigen begriffen ist und letztendlich könnte sich zumindest die Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Mandela Effekts erklären lassen.

Beispiele für den Mandela Effekt

Da am laufenden Band neue “Fehlerinnerungen” auftauchen, ist diese Liste sicherlich nicht annähernd als vollständig zu betrachten. Sie gibt jedenfalls einen Eindruck von dem Ausmaß des Effektes, der zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels nicht oder kaum von den Mainstream Medien aufgenommen wurde.

Vormals Jetzt
Der Tod Nelson Mandelas in den 80er Jahren, vermeintlich in Haft 2013, im Kreise seiner Familie
Hitlers Augenfarbe war braun Hitlers Augenfarbe ist nun blau
Das Kennedy Attentat mit 4 Personen in einer 5 Sitzer Limousine 6 Personen in einer 7 Sitzer Limousine
Das “Luke, I am your father” Zitat aus Star Wars “No, I am your Father”
Das Zitat “If you build it, they will come” aus dem Film Field of Dreams “If you build it, he will come”
Das Zitat “Life is like a box of chocolats” aus dem Film Forrest Gump “Life was like a box of chocolates”
Der Androide C3PO aus Star Wars war vollkommen in Gold gefärbt Das Bein des Androiden ist silber
Berenstein Bears Berenstain Bears
Die Wortmarke “Fruit Loops” von Kelloggs “Froot Loops”
Febreeze Febreze
Die Wortmarke “Curaid” des Pflasterherstellers “Curad”
Schuhmarke Sketchers Skechers
Schokoriegel Blue Ribbon Blue Riband
Die Produktentwickler “Proctor & Gamble” “Procter & Gamble”
Das Zitat “Mirror, Mirror, on the wall” aus dem Märchen “Magic mirror on the wall”
Die amerikanischen Ampeln hatten Rot an der unteren Seite und Grün an der Oberen Rot oben, grün unten

Außerdem wird vermehrt von diversen geographische Anomalien auf herkömmlichen Weltkarten berichtet, wie:

  • Neuseeland näher bei Australien
  • der südamerikanische Kontinent insgesamt viel zu weit südlich
  • Inseln, die erinnert werden jedoch nicht mehr zu finden sind
  • Brücken, die entweder nicht vorhanden waren oder anders aussehen

Viele Menschen erinnern sich auch daran, dass die Lage unseres Planeten in unserer Galaxie eine andere gewesen sein soll.

Fazit:

Angesichts der erlebbaren und damit als real einzustufenden Auswirkungen des Effekts auf eine Vielzahl von Menschen aus den unterschiedlichsten Altersstufen und Backgrounds, drängt sich (zum wiederholten Male, siehe z.B. UFO Phänomen) die Frage auf, weshalb dieses Phänomen nicht von seriösen Wissenschaftlern untersucht wird. Besonders, wenn man den derzeitigen Stand der Physik und ihre oftmals bizarren und abstrus wirkenden Theorien zur Erklärung unserer Welt mit einbezieht.

Da rechnet man mit Multiversen, baut die komplexeste und teuerste Maschine der Welt (CERN) um das Higgs Boson zu finden. Ein Teilchen, dem man den Beinamen “das Gottesteilchen” gab.

Superpositionsprinzip?

Da ist die Rede vom Superpositionsprinzip, dem Prinzip, dass Teilchen (z.B. Quanten) in keinem eindeutig definierten Zustand, auftreten. Teilchen sind im Umkehrschluss also in allen möglichen Zeiten und allen möglichen Zustände real, solange sie nicht gemessen werden. Ob und in welchem Zustand sie sich befinden, wird erst durch den Beobachter, etwa ein Messgerät, festgelegt. Die mathematische Beschreibung dieses Phänomens wird u.a. erfolgreich für Lösungen in diversen Bereichen der Quantenmechanik, der Thermodynamik und der Elektrotechnik eingesetzt. Das Superpositionsprinzip gilt also durchaus als real und anwendbar, obwohl es fantastisch bizarr und eher esoterisch anmutet.

CERN und Quantencomputer

Wenn man sich also die wissenschaftlichen Grundlagen von Maschinen wie den Large Hydron Collider in CERN, oder den Quantencomputern der kanadischen Firma D-Wave ansieht, sollte man eigentlich darüber verwundert sein, dass der Mandela Effekt nicht als würdiges Untersuchungsobjekt gilt. Eventuell könnte der Effekt sogar in direktem Zusammenhang mit dem Betrieb dieser Technologie stehen. Solange nicht offiziell geforscht und transparent darüber berichtet wird, werden wir auf Spekulationen angewiesen sein. wenn man die Vorgehensweise der Initiatoren, der Regierungen und Institutionen in (mittlerweile bewiesenen) historischen Angelegenheiten wie, z.B. dem Edgewood Vorfall, kennt, darf man Schlimmes ahnen.

Bleibt wachsam, denn eventuell wachst Du morgen auf und neben Dir liegt ein völlig Fremder! Aber das, ist eine andere Geschichte….

Ursprünglich wollte ich hier im Fazit auf meine Theorien eingehen, aber ich denke, dass ich damit den Rahmen des Fazits sprengen würde. Meine persönliche Theorie findest du im Artikel “Meine Theorien zum Mandela Effekt”

Quellen:

Bücher, die als Quelle oder zur Inspiration gedient haben…


Beitragsbild: Tony Webster/flickr (CC BY 2.0)

Artikelbild: frankieleon/flickr (CC BY 2.0)

4 Kommentare

  1. Wird noch verrückter 😉 Befass dich mal mit der flachen Erde Theorie. Hohlkugel kannst du direkt abhaken, ist Desinformation. Auch interessant die NASA Hoaxes

    • Interessant, dass du hier die „Flache Erde Theorie“ erwähnst. Ich hab mich schon damit auseinandergesetzt und bin auf eine unglaublich hohe Anzahl an Widersprüchen in der „Globus Theorie“ als auch in der „Flache Erde Theorie“ gestoßen. Ich sammle (leider nur nebenbei) Fakten und Indizien um mir selbst Klarheit zu verschaffen, bevor ich mich der Öffentlichkeit aussetze. Aber ich kann schon verraten: Es riecht stark nach einer Täuschung monströsen Ausmaßes.

Kommentar verfassen